Aktuell helfe ich gerade einer Bekannten aus der Camper Community Camp & Work ihren gebraucht erworbenen Camper so um- und aufzurüsten, dass sie damit ein halbes Jahr autark durch Südeuropa touren kann. Bei der Analyse der Elektroinstallation sind uns gleich mehrere Aspekte aufgefallen, auf die ich im Folgenden eingehen werde. Hinzu kommt, dass die Verkabelung unübersichtlich und nicht dokumentiert ist. Bevor wir also die Installation bereinigen können, muss zunächst die vorhandene Installation analysiert werden, um zu verstehen, wie die einzelnen Komponenten miteinander verschaltet sind. Im Bild rechts sieht man einen Ausschnitt aus der Stromverteilungsleiste. Daneben sind weitere Verteilerdosen in verschiedenen Stellen im Van installiert, von denen aus das Stromnetz weiter verzweigt wird. Dabei ist nicht auszuschließen, dass die hinführende Leitung überlastet wird, wenn alle dort angeschlossenen Verbraucher gleichzeitig eingeschaltet sind.
Mehrfach verteilte Stromkreise
Wie schon erwähnt, sind an verschiedenen Stellen im Van Verteilerdosen, von denen aus die Leitungen weiter verzweigt werden. Die Hinleitung zu diesen Dosen hat einen Querschnitt von 2,5 mm². Der Abstand der ersten Dose von der im Bild dargestellten Hauptverteilung beträgt ca 1,5 m. Von dort zur zweiten Verteilerdose sind es weitere ca. 1,5 m. Bei maximal 3% Spannungsabfall in der Leitung und unter Berücksichtigung der Übergangswiderstände in den Klemmen sollte die maximale Stromstärke die an der zweiten Dose abgenommen wird ca. 10 A betragen. ca. 8,5 A hat allein schon die 100 W USB PD-Dose an der zweiten Unterverteilung. Für eine sichere Versorgung sollten alle Leitungen an ein oder zwei zentralen Punkten zusammengeführt werden. Siehe dazu auch meine Beiträge Teil 2: Die Bordelektrik und Teil 7: Nochmal Strom und Erweiterung der Gasversorgung.
Unzureichende Absicherung der Stromkreise
Es gibt keine einzelnen Sicherungen für die Stromkreise passend zur angehängten Last und den verwendeten Kabelquerschnitten. Wenn ein Stromkreis einen Kurzschluss verursacht, fallen alle Stromkreise aus, da dann die zentrale Sicherung durchbrennt. Das kann die Fehlersuche in der Installation extrem schwierig machen, da man nicht weiß welcher Stromkreis den Kurzschluss verursacht.Wie im vorherigen Abschnitt schon erwähnt ist es auch schwierig abzuschätzen, wie viel Last tatsächlich in der Spitze anliegt. Dadurch besteht die Gefahr, dass man, um häufiges Durchbrennen der Sicherung zu vermeiden einen größere einsetzt und so Ströme entstehen könenn, für die die Vekabelung nicht ausgelegt ist.
Aus diesen Gründen sollte aus meiner Sicht jeder Verbraucher direkt von einem zentralen Sicherungsverteiler aus verkabelt werden, besonders dann, wenn die Kabel hinter Verkleidungen verlegt werden und damit schwer zugänglich sind. Für uns haben sich die 12-fach Kfz-Sicherungsverteiler bewährt. Diese haben je Stromkreis neben der Sicherung eine LED, die aufleuchtet, wenn die Sicherung durchgebrannt oder am Stromkreis kein Verbraucher angeschlossen ist, aber eine Sicherung im entsprechenden Steckplatz steckt. Diese LED-Anzeige macht die Diagnose sehr einfach und die Absicherung je Stromkreis gewährleistet, dass bei Kurzschluss nur der betroffene Stromkreis stromlos ist, alle anderen aber weiterhin versorgt werden.
Unübersichtliche Verkabelung
Möglicherweise um das Installationspanel klein zu halten wurde die gesamte Verkabelung sehr dicht gedrängt und nicht beschriftet/dokumentiert. Zudem sind die Kabel so miteinander verwickelt, dass es auch nur schwer möglich ist ein Kabel zu verfolgen. Die roten und blauen Steckelemente verbinden jeweils zwei oder mehr Klemmplätze.
Für die Verkabelung in den Ausbau wurden normale Leitungen mit 3 x 1,5 mm² oder 3 x 2,5 mm² verwendet, deren Schutzleiter nutzlos ist und einfach frei am Installations-Panel hängen und die Verkabelung noch unübersichtlicher gestalten.
Auf dem Dach des Van waren in der Vergangenheit offenbar zwei Solarmodule verbaut, von denen eines abgebaut wurde. Das zugehörige Kabel wurde direkt am Einlass der Dachdurchführung abgekniffen und die Litzen der Enden liegen dort jetzt frei. Der zugehörige NoName-Laderegler wurde aber belassen und irgendwie über Relais und die Klemmschiene mit dem verbliebenen Solarmodul verbunden und ausgangsseitig vermutlich ebenfalls mit der Aufbaubatterie verbunden, die aber von einem Victron SmartSolar charge controller geladen wird. Diese Detailanalyse steht noch aus.
Falsche Batterie
Die als Aufbaubatterie verbaute 100 Ah AGM-Batterie stellte sich als Starterbatterie heraus und hatte damit eine für die Stromversorgung untaugliche Nutzungscharakteristik. Die Folge war, dass sie nicht konstant den erforderlichen Strom liefern konnte, so dass z.B. der Kompressorkühlschrank keine ausreichende Leistung bekam. Mit Wechsel auf eine LiFePo4 Batterie kühlt nun der Kühlschrank problemlos und der Akku kann vom Solarmodul auf dem Dach ausreichend aufgeladen werden.
Fazit
Beim Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs sollte neben der gründlichen Prüfung des Basisfahrzeugs auf Schäden auch die Elektroinstallation geprüft werden. Wenn keine Dokumentation der Verkabelung vorhanden ist, sollte diese vom Verkäufer eingefordert werden. Eine nachträglich Analyse und dann meist Neuverkabelung kann schnell einmal mehrere Arbeitstage kosten, besonders wenn dazu ggf. auch noch Einbauten und Verkleidungen entfernt und anschließend wieder montiert werden müssen. Im vorliegenden Fall dürfte allein die Neuinstallation der zentralen Verteilung mit Solarmodulen, Aufbaubatterie und Sicherungskasten zwei Tage in Anspruch nehmen. Der Ersatz der verteilten Verteilerkästen und der Direktanschluss der Verbraucher am zentralen Sicherungs- und Verteilerblock dürfte mit teilweisem Öffnen der Wandverkleidungen weitere zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen.
An alle Selbstaus- und -umbauer
Tut Euch selbst und denen, die vielleicht in einigen Jahren Euren Camper kaufen, bitte den Gefallen und dokumentiert genau
- welche Stromkreise wo verlegt sind,
- welche Kabelquerschnitte Ihr verbaut habt,
- wie die einzelnen Stromkreise abgesichert sind,
und verlegt die Kabel von einer oder zwei zentralen Verteilerstellen, z.B. je Fahrzeugseite eine Sicherungs- und Verteilerblock, die direkt von der Aufbaubatterie gespeist werden. Und wenn Ihr etwas abbaut, im beschriebenen Fall ein zweites Solarpaneel, dann baut es bitte komplett zurück. Im Falle eines Fehlers erleichtert es Euch die Fehlersuche und auch eventuellen späteren Besitzern.
