In den Newslettern der Camping-Ausrüster findet man immer wieder Angebote für SAT-Anlagen. Dabei werden teilweise Preise im vierstelligen Euro-Bereich aufgerufen. Da frage ich mich jedes Mal, warum sollte man sich so eine Anlage heutzutage noch auf das Dach bauen. Nun sind wir ohnehin keine Fernsehschauer und wenn wir einmal einen Film sehen wollen, dann konnten wir das bisher immer ganz gut via Internet. Trotzdem will ich dieser Frage hier einmal nachgehen, und die Vor- und Nachteile, verschiedener Wege TV-Angebote zu nutzen, aufzeigen.
TV-Empfang mit SAT-Anlage
Wie die Überschrift schon andeutet, dient eine SAT-Anlage genau einem Zweck nämlich dem TV-Empfang. Dazu muss die Antenne auf einen der TV-Satelliten, die über dem Äquator geostationär kreisen, ausgerichtet werden. Will man andere Sender empfangen, als diejenigen die auf dem gerade einjustierten Satelliten verfügbar sind, muss man die Antenne neu ausrichten. Die meisten modernen SAT-Antennen können das zwar automatisch, aber sie brauchen natürlich eine freie Sicht zum Satellit.
Was aber heißt das? Ein geostationärer Satellit muss auf einer Kreisbahn um die Erde fliegen, die genau über dem Äquator ist und seine Geschwindigkeit muss so sein, dass er die Erde in 24 Stunden genau einmal umrundet. Dadurch sieht es von der Erdoberfläche so aus, als wäre er an einem festen Punkt über dem Äquator angeheftet. Zu der Zeit, zu der diese Satellitentechnik entwickelt wurde, war das revolutionär. Man konnte jetzt Ton und Bild übertragen von Stellen aus an denen keine Kabel lagen, und so Live-Sendungen von jedem Punkt der Erde zu jedem anderen übertragen. Ich erinnere mich wie begeistert die Teilnehmer waren als wir 1988 privat organisiert ein Event live von Indien an viele verschiedene Orte weltweit übertragen konnten und die Übertragung z.B in München und mehreren anderen deutschen Orten mit gemieteten SAT-Anlagen der Telekom empfangen konnten.
Um Signale von einem solchen Satelliten zu empfangen oder an ihn zu senden, muss die SAT-Antenne so exakt wie möglich auf den Satelliten ausgerichtet sein. Da die Koordinaten der Satelliten bekannt sind, kann aufgrund des jeweiligen Standorts berechnet werden, in welche Richtung die Antenne – Abweichung von der exakten Südausrichtung – ausgerichtet werden muss und wie der vertikale Anstellwinkel abhängig von der geographischen Breite sein muss. D.h., je näher man dem Äquator kommt, umso steiler muss der Anstellwinkel sein, und je mehr man mich den Polen nähert, umso flacher wird er. Außerdem muss die Sicht zum Satellit frei sein. Hohe Bäume in der Richtung können schon so viel Abschattung verursachen, dass der Empfang zumindest eingeschränkt ist. Ein Waldcampingplatz wäre also sicher kein guter Stellplatz für ungetrübtes Fernsehvergnügen.
Moderne SAT-Anlagen können aufgrund der Geoposition, die mittels GPS ermittelt wird, die Antenne automatisch ausrichten. Allerdings habe ich von einigen Campern schon gehört, dass sie trotz korrekter Ausrichtung von einzelnen Satelliten keinen Empfang hatten, während sie die Programme von anderen Satelliten problemlos empfangen konnten. Ein Grund dafür kann sein, dass sie außerhalb des Kernbereichs waren, in den der Satellit sendet und so das Signal zu schwach war und der SAT-Tuner es nicht mehr dekodieren konnte. Bei unverschlüsselten Digitalkanälen führen so entstehende Übertragungsfehler zu den so genannten Klötzchen-Artefakten im Bild, wo Bewegungen nicht mehr flüssig abgebildet werden können, weil einzelne Bilder oder Bildfolgen, die Zwischen-Frames, in der Sequenz ausfallen und der Empfänger auf den nächsten Voll-Frame, ein vollständiges Bild, warten muss, damit die Artefakte wieder verschwinden. Das was bei den unverschlüsselten Kanälen zu den Artefakten führt, hat bei verschlüsselten Kanälen zur Folge, dass die verschlüsselten Frames nicht mehr entschlüsselt werden können und dann gar nichts mehr angezeigt werden kann. Der Kernbereich, den ein Satellit versorgen kann, ist sowohl in der West-Ost-Richtung wie auch in der Nord-Süd-Richtung beschränkt. Je weiter die Antenne aus der Südrichtung verdreht werden muss oder je flacher der Anstellwinkel wird, wenn man sich den Polen nähert, umso länger läuft das Signal durch die Erdatmosphäre und wird auch durch diese geschwächt.
SAT-TV ist genauso wie terrestrisches TV lineares Fernsehen, d.h., Sendungen können nur dann empfangen werden, wenn sie gesendet werden. Kurz gesagt, die 20 Uhr Tagesschau muss man um 20 Uhr anschauen.
Streaming via Internet
Heute hat sicher jeder Camper ein Mobiltelefon bei sich, und sehr viele Anbieter bieten zumindest im Inland unbegrenztes Datenvolumen. Fährt man ins Ausland kann man zum Teil günstig Datenvolumen für das Zielland hinzu buchen oder man beschafft sich im jeweiligen Land eine lokale Prepaid SIM-Karte oder eSIM. So kann man mit dem Smartphone bei den meisten TV-Anstalten die Streaming-Dienste nutzen und auch die reinen Internet TV-Stationen und Streaming-Dienste nutzen. Wenn das Bild auf dem Smartphone zu klein ist, dann können die meisten heutigen Smartphones auch den Bildschirminhalt auf einen dazu fähigen Fernseher übertragen, was die meisten Fernseher heute auch beherrschen. Zudem sind die meisten Fernseher heute so genannte Smart-TV-Geräte und somit WLAN-fähig. Alternativ kann man auch ein günstiges Tablet ohne eigene SIM-Karte nehmen und mit dem Smartphone einen lokalen Hotspot einrichten, um Fernseh oder Filme auf dem Smart-TV oder dem Tablet zu schauen. Noch komfortabler ist es mit einem mobilen Router oder einem Router mit einer LTE oder 5G Außenantenne im Wohnmobil, insbesondere wenn der auch noch zugleich als WLAN-Catcher das WLAN auf dem Camping- oder Stellplatz oder freie WLANs, die inzwischen in immer mehr Städten betrieben werden, anzapfen kann. Das ist zwar geschwindigkeitsmäßig nicht immer optimal, so dass es vielleicht etwas ruckelt oder die Auflösung reduziert wird, aber es schont die Datenkapazität. Überall wo man mindestens gute 4G Abdeckung hat, kann man so problemlos die Streaming-Dienste nutzen.
Eine Alternative zum Smartphone als Hotspot oder einem mobilen oder fest eingebauten Router mit Außenantenne ist eine Starlink Mini-Anlage mit dem Reise-Abonnement. Der Vorteil gegenüber einem Mobilvertrag, ist, dass man das Abo ruhen lassen kann, wenn man nicht unterwegs ist. Eine Starlink-Antenne muss nur freie Sicht nach oben haben. Dazu kann man sie auch in eines der Dachfenster hängen. Dazu gibt es im Internet schon geeignete Halterungen. Die Starlink-Satelliten kreisen in einem Netzmuster über der Erde und die Antenne kann immer das Signal von mehreren Satelliten gleichzeitig empfangen und setzt so den Datenstrom zusammen. Die Daten werden in sequentiell durchnummerierten Paketen versendet. Wenn ein Paket von einem Satellit nicht korrekt übertragen wurde oder der Satellit gerade das Sichtfenster der Antenne verlassen hat, wird einfach das Paket mit derselben Sequenznummer aus dem Paketstrom eines anderen Satelliten genommen.
Neben dem Streaming aus Mediatheken, bei dem der Zeitpunkt, zu dem man eine Sendung anschaut, beliebig ist, bieten die TV-Anstalten ihre Sendung in der Regel auch als Live-Stream an, in dem Moment wo die Ausstrahlung auch terrestrisch oder via Satellit erfolgt. Wer also seine Tagesschau trotz der Möglichkeit des zeitversetzten Anschauens um 20 Uhr sehen will, kann das tun.
Neben dem Fernsehen über Internet-Dienste, sei es Mobilfunk, WLAN Catching oder Starlink hat man mit so einer Infrastruktur natürlich auch alle anderen Internet-Dienste wie E-Mail empfangen und senden, ohne Zusatzkosten national und international über entsprechende Ton- und Video-Call-Plattformen kommunizieren, Daten z.B. Photos auf die eigene Cloud laden und wenn nötig auch remote arbeiten, während eine SAT-Anlage nur einen einzigen Service bietet, nämlich TV zu schauen.
Vorteile beider Systeme, mobiles Internet und Starlink, sind
- es ist keine Antennenausrichtung erforderlich
- der Empfang funktioniert auch während der Fahrt
- Programme können sowohl live wie auch zeitversetzt empfangen werden
- Streaming-Verträge, die man daheim nutzt, können auch unterwegs genutzt werden
Ein Nachteil des Streamings soll aber nicht unerwähnt bleiben. Manche Anbieter, z.B. die Schweizer Rundfunk und Fernsehanstalten, nutzen das so genannte Geofencing, um den Empfang auf einen regionalen Bereich einzuschränken. Ist man gemäß IP-Adresse außerhalb des Zauns, wird der Dienst nicht angeboten. Dies kann man aber mit VPN-Verbindungen umgehen.
Fazit
Viele Menschen nutzen heute auch zu Hause bereits die Möglichkeit Sendungen, dann zu schauen, wenn sie Zeit oder Lust dazu haben und bedienen sich dazu der Streaming Dienste der TV-Anbieter und deren Mediatheken über ihren Breitbandanschluss. Die Zeiten, in denen an nahezu jedem Balkon eines Wohnblocks eine SAT-Schüssel gehören der Vergangenheit an. Auch baut heute niemand mehr ein neue Kabel-TV-Netz. Auch Videorecorder haben heute kaum noch eine Bedeutung, weil man seine Sendungen nicht mehr aufzeichnen muss, um sie zeitversetzt anzuschauen. Wenn man Sendungen für sich archivieren will, kann man diese heute viel einfacher in digitalisierter Form auf einer externen Festplatte am Notebook sichern. Reine Streaming-Dienste wie Amazon Prime TV, Netflix und andere verdrängen zudem zum Teil die klassischen TV-Sender von den Bildschirmen. Diese Entwicklung hat auch dazu geführt, dass kaum noch Nachfrage nach Satellitenkanälen besteht, so dass davon auszugehen ist, dass die TV-SAT-Technologie ihrem Ende entgegen geht.
Nun kann man noch ins Feld führen, dass man für den Fernsehempfang mit der SAT-Anlage keine laufenden Kosten sondern nur die einmaligen Anschaffungskosten hat. Mit zunehmender Kommerzialisierung der TV-Angebote werden aber immer mehr Angebote nur noch mit Entschlüsselung empfangbar, für die man dann in der Regel zusätzliche Set Top Boxen zum Einschieben der Codekarte und ein entsprechendes Abo benötigt.
Schließlich stellt sich die Frage, warum sollte man im Wohnmobil eine eigene Technik für Fernsehen nutzen, obwohl die Fernseher heute meistens schon Internet-fähig sind, wenn man zu Hause darauf bereits größtenteils verzichtet.
Nebenbei bemerkt, habe ich in unserem Haus schon seit langem die Kabel-TV-Verteilung abgeklemmt und die Verträge gekündigt, weil es seit der Abschaffung des analogen Fernsehens sowieso kein Echtzeit-Fernsehen mehr gibt. Darum wird auch vor der Tagesschau die Uhr nicht mehr gezeigt, denn wenn die auf dem Fernseher 20.00 Uhr zeigt, ist es in Wirklichkeit schon einige Sekunden nach 20:00 Uhr. Seine eigene Uhr könnte man danach also nicht mehr sekundengenau stellen. Und auch die Zeitzeichen im Radio sind aus diesem Grund verschwunden.
